Etappe 22 – Raus aus der Zivilisation

Etappe 22 – Raus aus der Zivilisation

Die Frage, mit der ich mich während meiner Zeit in Denver intensiv beschäftigt habe, war: Welche Route nehme ich Richtung Osten? Zur Auswahl standen eigentlich nur zwei Optionen. Ich konnte von Denver auf direktem Weg Richtung Osten fahren oder etwas nördlicher einem Fluss und der Interstate 76 bzw. 80 folgen.

Die Vorteile der nördlicheren Route sind, dass es entlang der Autobahn einige kleine Städte gibt und somit wenigstens etwas Infrastruktur vorhanden ist. Außerdem ist in der Nähe des Flusses auch keine wirkliche Steigung zu erwarten. Für mich gleichen diese Vorteile den Nachteil der etwas längeren Strecke aus und ich entschied mich für diese Route.

Da ich gestern über den Prediger am Capitol gelästert habe, regnete es auch heute Morgen wieder in Strömen. Also startete ich den Tage wieder komplett eingewickelt in meinen Regensachen.

Bevor ich aus der Stadt hinausfuhr, deckte ich mich noch mit ausreichend Proviant aus meinem liebgewonnenen Supermarkt ein. Sorgen über die Verfügbarkeit von Essen brauchte ich mir heute zwar erstmal nicht zu machen, aber es ist immer besser ein paar Reserven dabeizuhaben.

Den ersten Teil des Tages konnte ich dem South Platte River, auf dem parallel verlaufenden Fahrradweg, folgen. Es hörte zwischenzeitlich sogar auf zu regnen und die Sonne kam raus. Nachdem ich die Stadt vollständig hinter mir gelassen hatte und für einige Weile dem Fluss gefolgt war, musste ich den schönen Weg verlassen und einer Straße direkt an der Autobahn folgen. Der Straßenbelag war echt grausam und ich war froh, dass ich bald auf eine Landstraße Richtung Osten abbiegen durfte.

Der South Platte River.

Jetzt konnte ich zum ersten Mal die Aussicht sehen, die mich wohl für die nächsten Tage und Wochen begleiten wird. Die Landschaft besteht nun nur noch Landwirtschaft und den verschiedenen Variationen von Nichts.

Da weiß man gar nicht wo man zuerst hinsehen soll. Es gibt so viel zu entdecken!
Selbst ein Sendemast ist dann Highlight. Dort hatte ich sogar noch guten Empfang.
Was ist das? Ein aufgespießtes Schneemobil? Nein, ein Briefkasten!

Da mich meine Route heute nicht durchgehend am Fluss entlangführte, musste ich doch einige Hügel hoch und wieder runterfahren. Es war also nur ‘pseudoflach’. Bei einer kleinen Pause warf ich einen Blick nach hinten und sah, dass meine Sünden mich in Form von dunklen Gewitterwolken einholten. Ich legte an Tempo zu und versuchte schneller zu sein. Das gelang mir leider nicht und gerade als ich wieder Richtung Norden fuhr, um dem Fluss wieder näher zu kommen, fing es mal wieder heftig an zu regnen.

Der Blick nach hinten lässt nichts Gutes verheißen.

Kaum war wieder an der Autobahn und dem Fluss angelangt, hörte es auch schon wieder auf. Trotzdem traute ich mich nicht die ganzen Regensachen wieder auszuziehen, da die dunklen Wolken nicht wirklich verschwanden.

Eine ziemlich lange Zwangspause an einem Bahnübergang. Es fuhren bestimmt 30 gigantische Flügel von Windrädern vorbei.

Der Rest der Strecke bis Fort Morgan war super flach und ließ sich sehr angenehm fahren. In dem kleinen Städtchen angekommen, wollte ich im Stadtpark übernachten. Das war wohl mal erlaubt, ich hatte aber im Internet schon gelesen, dass sich das geändert haben soll. Vor Ort waren jedoch keine Verbotsschilder zu erkennen. Ich wollte trotzdem lieber noch etwa 10km weiterfahren, um dann in Brush zu bleiben.

Die Autobahn samt angrenzender Bahnstrecke waren für den Rest des Tages meine ständigen Begleiter.

In Brush fand ich einen kleinen Campingplatz, der völlig umsonst war. Erstaunlicherweise waren sogar Toiletten und eine Dusche vorhanden. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, fuhr ich quer durch den kleinen Ort zu Wendy’s, um noch etwas zu essen. Ich dachte mir: Für die kurze Strecke brauche ich keine Regensachen mehr und ließ sie im Zelt. Es kam wie es kommen musste. Als letzte Bestrafung des Tages fing es, kurz nachdem ich meine Bestellung aufgegeben hatte, an zu regnen. Diesmal noch heftiger als zuvor und so fuhr ich, nach dem Essen und ohne Regenkleidung, für 5 Minuten regelrecht durch einen Wasserfall, um wieder zu meinem Zelt zu gelangen. Duschen brauchte ich dann heute Abend wenigstens nicht mehr.

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