Etappe 14 – Es wird grün

Etappe 14 – Es wird grün

Schon am Vortag hatte die Frau am Empfang des Campingplatzes gesagt, dass ich unbedingt die Abkürzung zwischen Bluff und Cortez nehmen sollte. Diese sei viel schöner und weniger befahren, als der normale Weg auf dem Highway. Ich war sowieso um jeden Kilometer dankbar, den ich abkürzen und somit meinen Reifen schonen konnte. Das bedeutete allerdings auch, dass ich das Monument an den vier Staatsgrenzen und das Colorado Willkommens-Schild verpasse.

Ich achtete den ganzen Tag penibel darauf meine Reifen nicht zu sehr zu belasten und versuchte jedem Steinchen auszuweichen. Schließlich wollte ich die 100 km bis Cortez nicht schieben müssen.

Das erste Teilstück heute fuhr ich noch durch die bekannte Wüstenlandschaft. Zum ersten Mal begegneten mir heute die sich auf und ab bewegenden und dabei quietschenden Förderpumpen, die man aus manchen amerikanischen Filmen kennt. Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass in dieser Region damit nicht Öl, sondern Petroleum gefördert wird.

Immer wieder konnte ich bereits Blicke auf die näherkommenden Schneegipfel der Rocky Mountains werfen. Die Landschaft änderte sich aber erst nach dem überqueren der Grenze zu Colorado. Ich folgte auf einmal einem Fluss, der sich durch ein Tal schlängelte. Zum ersten Mal seit langer Zeit fuhr ich nun also also neben grünen Wiesen, Feldern und Bäumen entlang. Aus irgendeinem Grund machten sich starke Heimatgefühle breit, da jetzt alles wieder ein bisschen nach Europa aussah. Pferde und Kühe standen auf der Weide, der Fluss plätscherte im Hintergrund und sogar Wein wurde in diesem Gebiet angebaut. Es war eine echt willkommene Abwechslung nach der langen Zeit in der Wüste.

Hier leben doch tatsächlich Tiere.
Das Schild könnte man langsam mal zu klappen. Es sieht nicht so aus als könnte sich hier in nächster Zeit noch Eis bilden.

Die Gipfel waren kurz vor Cortez schon richtig gut zu sehen. Ich fragte mich langsam: Und da muss ich wirklich drüber?

Die schneebedeckten Gipfel kommen näher.

Zunächst musste ich aber erstmal sicherstellen, dass meine Reifen diese Überfahrt auch mitmachen. Zum Glück konnte mir der Fahrradladen in Cortez helfen. Sie hatten den passenden Reifen da und bauten diesen auch direkt ein. Zur Sicherheit nahm ich dann noch Flickzeug und einen Ersatzschlauch mit. Cade, eine Mitarbeiterin aus dem Laden mit der ich mich gut verstanden hatte, lud ich nach Feierabend noch zum Eis ein. Es war mir dann auch egal, dass ich noch 20 km weiter von Cortez nach Dolores fahren musste. Dort hatte ich nämlich einen Warmshowers Host gefunden, der bereit war mich für eine Nacht aufzunehmen. Es wurde schon dunkel als ich nach Dolores aufbrach, aber mit neuem Reifen rollte es sich schon gleich viel besser.

Mein erster Sonnenuntergang in Colorado.

Es war die beste Entscheidung jetzt endlich mal Warmshowers, eine Seite zur Vermittlung von Unterkünften für Radreisende, auszuprobieren. Bisher war mir das immer zu unflexibel gewesen, da man die Anfragen schon mindestens einen Tag im Voraus verschicken sollte. Heute nahm mich also Chris in seiner umgebauten Garage im Garten auf. Ich konnte schön warm duschen und hatte auch mal wieder ein richtiges Bett. Da ich so spät angekommen war, habe ich mich nur kurz mit Chris unterhalten. Morgen treffen wir uns aber zum Frühstück.

Eine Antwort

  1. Cade Hays sagt:

    I’ve been following your blog since you left, I hope you’re doing well on your journey, I can’t wait to see where it takes you. You should keep in contact with me if you would like!

    Happy Riding

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