Etappe 12 – Ein platter Reifen im wilden Westen

Etappe 12 – Ein platter Reifen im wilden Westen

Auch heute sollte es ein großes Stück weiter vorwärts gehen. Die 150 km bis Bluff wollte ich schaffen, da es hauptsächlich bergab gehen sollte. Verschiedene Faktoren wollten da aber nicht mitspielen.

Zunächst musste ich die 17 km Umweg zurück auf die Hauptstraße herunterrollen, um dann weiter nach Kayenta zu kommen. Doch schon beim morgendlichen Blick auf die Windkarte wurde mir klar, dass ich den kompletten Weg bis Monument Valley mit starkem Gegenwind rechnen muss.
Zum ersten Mal auf meiner Tour wurde ich vom Wind heftig und dauerhaft ausgebremst. Ich bin bergab langsamer vorran gekommen, als gestern bergauf.

Mein Zwischenziel Kayenta verschaffte mir einen Moment Pause im Kampf gegen die unsichtbare Kraft von vorne. Ich stärkte mich erstmal und bog ab Richtung Monument Valley. Für die Besichtigung der berühmten Felsformationen nahm ich einen kleinen Umweg in Kauf. Auf der direkten Route hätte es aber auch keine Campingplätze gegeben.

Kaum hatte ich Kayenta wieder verlassen, blies mir der Wind auch weiter heftig ins Gesicht. Gegen die nervigen Windgeräusche halfen meine Kopfhörer und ein gutes Hörbuch (das vierte mittlerweile).

Mal wieder begegne ich den roten Felsen in der Wüste.
Willkommen zurück!

Kurz vor erreichen des Valleys überquerte ich dann erneut die Grenze zu Utah. Die Frage war nun, weiterfahren oder auf dem Campingplatz bleiben.
Was bringt es mir mich weiter durch den Wind zu quälen, dachte ich und entschied mich für den Campingplatz mit dem vielversprechenden Namen “The View”. Kurz vor der Bezahlstation des Monument Valley Parks spürte ich dann, dass im Hinterreifen keine Luft mehr drin war. Mein erster platter Reifen auf der Tour. Es war zunächst kein offensichtlicher Grund, wie etwas Scharfes oder Spitzes auf der Fahrbahn, zuerkennen. Bei genauer Betrachtung des Reifenprofils war die Ursache aber gefunden. Man hätte auch fragen können: Welches Profil? Viel war davon jedenfalls nicht mehr zu sehen.

Das Schicksal wollte wahrscheinlich meine Entscheidung nicht weiter zu fahren bestätigen. Ich schob mein Rad die restliche Strecke durch die Bezahlstation (6 Dollar wurden diesmal fällig) zum Campingplatz.

Es waren wahnsinnig viele Leute mit Zelten da und alle Plätze befanden sich in den Dünen. Nicht der optimale Platz um eine Fahrradreparatur durchzuführen, aber auch nicht unmöglich. Ich setzte also einen neuen Schlauch ein und wechelte den Mantel von hinten nach vorne, da der Vorderreifen noch nicht sehr abgenutzt aussah. Mein Vorrat von Schläuchen wurde also schon mal halbiert.

Fahrradwerkstatt in den Dünen.
Ein Teil der vielen Zeltplätze.

Der versprochene “view” auf die Felsen, die schon einem John Wayne Film als Kulisse dienten, war auf jeden Fall atemberaubend.

Der Ausblick ins Monument Valley. John Wayne wurde durch zahlreiche, mit Touristen gefüllte, Jeeps ersetzt.

“The clean shower” oder “The private space” hätten sie den Platz definitiv nicht nennen können. Meine Ansprüche sind aber mittlerweile allgemein sehr geschrumpft. Ich freue mich einfach wenn es nicht zu teuer ist und überhaupt eine Dusche vorhanden ist. Und solange die Nachbarn sich nicht wieder lautstark streiten, kann ich auch mit wenig Platz leben.

Schnitzfiguren der Indianer aus dem Shop im Vordergrund.

Morgen früh werde ich mir das Frühstücksbuffet des angrenzenden Hotels gönnen, da ich plane nur etwa 80 km bis Bluff zu fahren.

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