Etappe 10 – Gegen den Wind und die Steigung

Etappe 10 – Gegen den Wind und die Steigung

Das Problem bei einer Fahrt ins Tal ist, dass man irgendwie auch wieder hinauskommen muss. Heute stand also wieder eine nicht zu verachtene Steigung auf dem Plan. Im Vergleich zum Grand Canyon Aufstieg, war sie heute aber doch noch recht harmlos.

Page, mein Etappenziel für heute, lag Luftlinie nur etwa 35 km entfernt. Trotzdem musste ich etwa 70 km zurücklegen um es zu erreichen. Ich wäre auch noch weiter gefahren, aber in Page wollte ich mal wieder waschen, duschen und vernünftig essen. Außerdem ist der nächste Campingplatz von Page etwa 120km entfernt.

In Marble Canyon fuhr ich erstmal über den Fluss.
Der Colorado River nochmal von oben.

Schon nach dem Aufwachen im Zelt merkte ich, dass der Wind für die ersten ca. 35 km genau aus der falschen Richtung kommt. Die erste langgezogene Steigung vor dem richtigen Anstieg legte ich also mit heftigen Gegenwind zurück. Mittendrin kam mir ein Paar auf zwei Liegerädern entgegen, die auf dem Weg zum North Rim waren. Sie hatten den heftigen Anstieg also noch vor sich. Wir unterhielten uns kurz über unsere Touren und ich durfte die frohe Botschaft der Wasserknappheit am Grand Canyon überbringen. Außerdem wollten die beiden Wissen wie man “Schwalbe” richtig ausspricht, da ihre Fahrräder mit den Schwalbe Fahrradreifen ausgestattet waren. Die amerikanische Aussprache war doch eher seltsam.

Nach ca. der Hälfte meiner Etappe, drehte sich meine Route um fast 180 Grad und ich fuhr mir Rückenwind den Anstieg hinauf. Unterwegs gab es nochmal schöne Aussichten runter ins Tal.

Von da unten irgendwo bin ich heute gestartet.

Oben angekommen ging es die restlichen Kilometer nur noch bergab. Nur die Straße war ziemlich unangenehm zu fahren. Man hatte sich entschlossen den kompletten Seitenstreifen mit Rillen in kurzen Abständen zu versehen, um von der Fahrbahn abkommende Autofahrer zu warnen. Wahrscheinlich wollten die Straßenplaner die ‘Zusammenarbeit’ zwischen LKWs, Autos und Radfahrern stärken. Es hieß also ständig im Rückspiegel auf den Verkehr achten und bei besonders brenzligen Situationen auf den Seitenstreifen ausweichen.

Kurz vor Page hielt ich dann an einem der wohl bekanntesten Fotomotive Amerikas. Um Horseshoe Bend zu erreichen, muss man ca. 15 min über einen Hügel wandern. Leider war ich nicht alleine dort. Ganz im Gegenteil sogar. Es war echt kurz vor völlig überlaufen und ich hab schnell nur ein paar Fotos gemacht und bin dann weiter nach Page.

30 km flussabwärts (links) habe ich diese Nacht gecampt.

Zwischenzeitlich hatte ich mal mit dem Gedanken gespielt mir ein Motelzimmer zu nehmen, aber 140€ für eine Nacht waren mir doch etwas zu viel. Die Hotel/Motel Preise sind, jetzt zur Ferienzeit, ziemlich explodiert. Ich werde mich also weiter mit Campingplätzen begnügen müssen.
Erwartungsgemäß war der Platz in Page mit 35 Dollar ziemlich teuer. Ich hatte dafür aber einen eigenen Wasser- und Stromanschluss.

Nach einer erfrischenden Dusche nahm ich meine Schmutzwäsche und fuhr zum Essen ins Zentrum. Die Wäsche packte ich in den Waschsalon und ging dann im angrenzenden texanischen Restaurant essen. Bei Livemusik, frischem Pulled Pork und einem gigantischen Eimer gratis Erdnüssen (die Schalen wurden einfach unter den Tisch geworfen) lernte ich zwei österreichische Pärchen kennen, die neben mir saßen. Auch hier tauschten wir wieder unsere Reisepläne aus.

Gestärkt, geduschst und mit frischer Wäsche konnte diese Nacht wunderbar schlafen. Nur die wüsten Beschimpfungen und Rangeleien auf dem Nachbarplatz waren nervig. Irgendwann um 22 Uhr hörte das dann aber auf.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch einen Tag länger bleiben oder morgen schon die 120 km bergauf zum nächsten Campingplatz auf mich nehmen soll. Meine Laune morgen früh wird entscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.