Etappe 37 – Land der Gastfreundschaft

Etappe 37 – Land der Gastfreundschaft

Das frühe Aufstehen hat durchaus auch Nachteile, wie ich an diesem Morgen erfahren habe. Da in dieser Gegend eine Luftfeuchtigkeit von über 95% herrscht, trocknet nichts über Nacht. Zelt und Klamotten sind am Morgen meist sogar noch nasser als vorher. Eigentlich kann ich mein Zelt nach dem Abbau wenigstens noch für einige Minuten in die pralle Sonne legen, um es nicht komplett nass einpacken zu müssen. Heute war die Sonne allerdings noch nicht kräftig genug und so musste ich den Großteil meines Zeltes nass einpacken. Ich habe geplant die nächste Nacht bei einem Warmshowers Gastgeber zu verbringen und musste es somit noch irgendwie mit meinem Handtuch trocken kriegen.

Die Route heute bestand zu nächst aus der gewohnten Fahrt auf der, mittlerweile nur noch mäßig befahrenen Landstraße und wechselte dann auf winzige Sträßchen durchs Nirgendwo. Ich kann mich aber nicht beklagen, da der Straßenzustand völlig in Ordnung war und ich nur ein paar kleinere Steigungen hoch- und runterfahren musste.

Diesmal gab es wieder ein Schild beim Übertreten der Grenze. Willkommen in Ohio!
Ich glaube, dass diese Flagge Trump nicht gerade im besten Licht erscheinen lässt.

Einige durchgehörte Podcasts später, kam ich durch das Örtchen Montpelier und füllte dort mal wieder meine Vorräte auf. Vor dem Supermarkt aß ich meinen Maiskolben und konnte dort etwas Interessantes beobachten. Mir ist schon öfters aufgefallen, dass vor einigen Geschäften rote Automaten stehen, an denen man sich DVDs ausleihen kann. Ich dachte, dass in Zeiten von Netflix und Co. niemand mehr DVDs ausleiht. An diesem Automaten in Montpelier tat ein Mann aber genau das und war nicht begeistern davon, dass ich ihn beobachte. Egal, irgendwie fand ich das Konzept dieser modernen Videotheken interessant und anscheinend haben sie ja sogar eine Daseinsberechtigung.

Nach meinem Zwischenstopp fuhr ich sehr lange an sehr vielen Maisfeldern vorbei. Das war wohl eine der monotonsten Abschnitte der vergangenen Tage. Parallel zu meiner Landstraße führte aber nach einiger Zeit ein Weg für Fahrradfahrer, Fußgänger und Reiter, den ich jedoch, auf Grund des sehr schlechten Zustandes, nicht benutzte.

Mein Ziel für heute war das Umfeld der Stadt Toledo am Ufer des Lake Erie und je näher ich der Stadt kam desto besser wurde auch der ‚Freizeitpfad‘. Das letzte Stück vor der Stadt war dann sogar asphaltiert und ich wechselte von der Straße auf den Fahrradweg. Ich fuhr durch ein wunderschönes Stück Wald und nahm richtig Fahrt auf. Leider habe ich in meinem kleinen Geschwindigkeitsrausch eine Schlange auf dem Weg vor mir übersehen und so fuhr ich genau über sie. Ich habe unfassbar erschreckt, da das Tier laute Geräusche von sich gab und zusammenzuckte. Das tat mir im Nachhinein schon irgendwie ziemlich leid.

Mein Fahrradschnellweg endete im Zentrum von Perrysburg, etwas außerhalb von Toledo. In Perrysburg wohnt auch Susan, die mich für einen Nacht bei sich aufnahm. Susan ist quasi ein Warmshowers Profi und hat schon über 70 Gäste bei sich beherbergt. Sie lebt alleine in einem großen Haus und nimmt trotzdem wildfremde Menschen bei sich auf. Wir sind nach meiner Ankunft in ein mexikanisches Restaurant gefahren und sie hat mich sogar eingeladen. Bei ein paar Flaschen Wasser (offiziell war es Wasser, inoffiziell Bier) haben wir uns den Rest des Abends gut unterhalten und Susan hat mir einige Geschichten über ihre zahlreichen Gäste erzählt. Das Gästezimmer mit eigenem Bad war für mich zudem äußerst luxuriös. Ich lerne echt die kleinen Dinge im Leben zu schätzen.

Ich bin so froh, dass Susan mich aufgenommen hat. Wir hatten echt einen wunderbaren Abend zusammen. Was für eine Gastfreundschaft!

Interessante Gestaltung einer ‘Wasserdose’

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