Etappe 33 – Vom Kanal zum Fluss

Etappe 33 – Vom Kanal zum Fluss

Wieder einmal erwartete mich heute eine willkommene Abwechslung auf meiner Route. Statt immer nur zu auf meine geliebten Maisfelder blicken zu dürfen, fuhr ich entlang eines alten Kanals und somit hatte ich mal einen super Blick aufs Wasser.

Da der Fahrradweg entlang des Kanals ganz in der Nähe von Al’s Haus begann, begleitete er mich für das erste Stück. Nach dem Frühstück stiegen wir zusammen auf unsere Räder und machten uns auf den Weg. Al erzählte mir ein bisschen was über die Gegend und ich freute mich, dass ich für ein kleines Stück eine Begleitung hatte.

Der erste Teil des Weges war noch im Bereich der Vorstadt und dementsprechend gut gepflastert. Relativ schnell verließen wir aber das besiedelte Gebiet und der Asphalt wich einem unbefestigten Waldweg. Al hatte mich bereits vorgewarnt, dass wir wohl einige Hindernisse überwinden müssen, da vor kurzem ein heftiger Sturm über Illinois hinweg gezogen war. Tatsächlich mussten wir einige umgeknickte Äste und Baumstämme umfahren und an einer Stelle war sogar der komplette Weg in einen Graben abgerutscht. Das war dann doch vielleicht ein bisschen zu viel Abwechslung, aber von ein paar Baustämmen und ein bisschen Schlamm lasse ich mich nicht aufhalten.  

Es gab nur mich, den Schotterweg und den Kanal.

Al drehte nach einiger Zeit um und machte sich auf den Rückweg. Ich habe mich echt gefreut ihn und seine Frau kennenzulernen und bin froh meine Nacht bei ihm verbracht zu haben.

Irgendwie genoss ich die Abgeschiedenheit auf dem Kanalweg. Es kamen mir fast keine Fußgänger oder andere Fahrradfahrer entgegen und Autos waren nicht erlaubt. Zumindest dachte ich das, bis einen Pick-up und einen Bagger überholte. Ein Blick in den Rückspiegel verriet mir, dass die beiden Fahrzeuge mich verfolgten. Ich fuhr bestimmt 5 km bis meine Verfolger an einer Brücke anhalten mussten. Das war irgendwie schon etwas seltsam, aber wahrscheinlich waren die einfach nur neugierig wie schnell sich so ein vollbepackter Fahrradfahrer fortbewegt.

Die Brücke war in überraschend gutem Zustand.

Der Weg wurde nicht wirklich besser und ich beschloss den Kanalpfad zu verlassen und eine Abkürzung über die Landstraße zu nehmen. Das eine Tankstelle mit integriertem Subway auf dem Weg lag, hatte meine Entscheidung natürlich nicht im geringstem beeinflusst.

Nach dem verspäteten Mittagessen war ich also wieder auf dem Highway 6 unterwegs. Nicht viel später vermisste ich den Fahrradweg schon wieder. Je näher ich dem Illinois River kam, desto dichter wurde der Verkehr. Aber mich holten von hinten mal wieder die Gewitterwolken ein und somit blieb auch weiterhin auf der Landstraße.

Rechts ist noch der blaue Himmel zu sehen. Von links naht das Unheil.
Das unangenehme Wetter verschonte mich aber mit Regen.

Da ich, durch meine Abkürzung, ziemlich gut in der Zeit lag und es in der Stadt Peru eine gute Auswahl an vernünftigen Restaurants gab, legte ich dort einen Zwischenstopp ein. An der Uferpromenade des Illinois River gab es in einem Bootshaus ein Restaurant, welches an diesem Abend sogar Live-Musik zu bieten hatte. Mit den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag hatte ich einen Tag vorher noch gar nicht richtig gerechnet. Das Restaurant war super voll und nachdem ich mir bei der Kellnerin, die mich dauernd mit „Sweetheart“ betitelte, Gehör verschafft hatte und ich auf mein Essen wartete, konnte ich das bunte Treiben von meinem Barhocker aus beobachten.

Draußen war die Party noch nicht richtig im Gange.

Das Motto dieses Abends schien zu sein: „Sehen und gesehen werden“. Je mehr Kleidungsstücke die amerikanische Flagge zeigen desto besser. Familien und Freunde trafen nach langer Zeit aufeinander, es wurde viel erzählt und natürlich auch getrunken. Irgendwie dachte ich mir, dass das ganze auch in einer Kölner Kneipe hätte sein können.

Da ich noch etwa 10 Kilometer zu meinem Campingplatz für diese Nacht fahren musste, blieb ich nicht sehr lange. Ich radelte noch ein bisschen entlang der Promenade und sah all die Menschen, die auf ihren Campingstühlen dem Beginn des großen Feuerwerks entgegen fieberten. Gerne wäre ich auch noch etwas geblieben, doch ich wollte mein Zelt nicht im Dunkeln aufbauen müssen und zudem hatte ich noch die Sorge, dass an diesem Wochenende alle Plätze belegt sein könnten.

Ich überquerte also den Illinois River und fuhr zum Starved Rock State Park. Dort gab es zum Glück noch ausreichend freie Plätze und ich baute schnell mein Zelt auf. Im ‘Bett’ begann ich meine Recherche nach Übernachtungsmöglichkeiten für die nächsten Tage, welche jedoch recht erfolglos war. Alles war komplett ausgebucht und es ließen sich auch keine Warmshowers Gastgeber finden. Irgendwie wird sich aber schon noch etwas finden lassen, dachte ich mir. Gut, dass mein Optimismus bis jetzt noch nicht verloren gegangen ist.

Eine Antwort

  1. Al & Kerry Nordstrom sagt:

    Hi Sebastian,

    We thoroughly enjoyed hosting you on your adventure back in July. It’s always fun to share stories with another touring cyclist. I’m happy that you completed your journey to New York. I am anxious to read about the rest of the trip.

    Al & Kerry

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.