Etappe 29 – Tag der Kuriositäten

Etappe 29 – Tag der Kuriositäten

Der Platz am See wäre perfekt gewesen für einen Tag Urlaub vom Urlaub, aber der Wille vorwärts zu kommen war stärker. So fuhr ich also auch heute wieder ein gutes Stück weiter Richtung Osten.

Tatsächlich änderte sich die Landschaft heute. Die Maisfelder blieben mir zwar erhalten, jedoch wurde es auf einmal sehr hügelig. Das ständige bergauf und wieder bergab kann ich echt nur als nervig bezeichnen, da ich so kein konstantes Tempo halten konnte.

Überall sind jetzt Hügel zu sehen.
Noch 20 Meilen/32 Kilometer bis zum Atlantik. Ich bin doch unerwartet schnell vorwärts gekommen.

Gegen Mittag erreichte ich den kleinen Ort Walnut. In einer Bäckerei holte ich mir ein paar Donuts und man erzählte mir dort, dass ‘Walnuss’ wohl die Antiquitätenhauptstadt von Iowa sei. Das große Festival der Antiquitäten hatte ich wohl gerade verpasst. Trotzdem wurden in fast einem Drittel der Häuser kuriose und alte Dinge angeboten. Es war ziemlich interessant ein bisschen durch die Geschäfte zu schlendern. Die Preise waren meinem Empfinden nach sogar recht moderat und einige der Sachen hätte man für ein Vielfaches in Deutschland wiederverkaufen können. Platz war in meinen Fahrradtaschen aber keiner mehr, also habe ich nichts gekauft.
Ich sammle ja schließlich auch schon Kennzeichen, die ich am Straßenrand finde. Mittlerweile habe ich eins aus Kalifornien, eins aus Colorado und heute habe ich ein Motorradkennzeichen aus Iowa gefunden. In einem Geschäft hätte ich fast ein Schneemobilkennzeichen gekauft, aber dann wäre es ja nicht gefunden gewesen und hätte den Platz in meiner kleinen Sammlung nicht verdient.

Hier ist wohl die Sammlung aus einem kompletten Leben zusammen getragen. Die Besitzer des Ladens waren auch schon sehr alt.

Nach dem kurzen Aufenthalt in Walnut kam ich an einen kritischen bzw. ungewissen Streckenabschnitt meiner Route. Ich wusste im Voraus, dass die Straße nicht asphaltiert ist, aber das musste ja nichts heißen. Auch nicht asphaltierte Straßen lassen sich mitunter gut befahren. Die Satellitenbilder und Google Street View waren leider auch nicht sehr aufschlussreich. So ging ich also das Risiko ein und wurde enttäuscht. Die Straße, die eine sehr gute Abkürzung gewesen wäre, bestand aus sehr groben lockeren Steinen und war in einem ziemlich schlechten Zustand. Meine Alternativroute war genauso schlecht ausgebaut und so musste also einen großen Umweg von zehn holprigen Kilometer auf mich nehmen. Das war eindeutig das Stimmungstief des Tages.

Auch einige Kilometer später musste ich eine schwierige Entscheidung treffen. Bleibe ich auf den kleinen Straßen oder nehme ich einen Highway. Nach einigen Kilometern auf den County Roads, habe ich mich für den Highway entschieden. Diesmal war es auch die richtige Entscheidung. Die Straße war gut ausgebaut, relativ flach und seltsamerweise nicht sehr stark befahren.

Wie kommt man auf die Idee einem VW Beatle Spinnenbeine zu verpassen und ihn dann im Vorgarten zu platzieren?
Unerwarteterweise überquerte ich eine weitere Wasserscheide. Ab jetzt fließt das Wasser also in den Mississippi. Den riesigen Fluss werde ich dann in ein paar Tagen überqueren.

Irgendwo im Nirgendwo hielt ich bei einem Imbiss um meine Wasserflaschen aufzufüllen und die Mitarbeiter dort waren ziemlich schockiert, als ich erzählte was ich mache. Verrückt muss man sein bei dieser Hitze durch die Einöde zu radeln. Nicht ganz Unrecht haben sie, dachte ich.

Nach vielen weiteren hügeligen Kilometern und einer Eis-Pause, erreichte ich dann mein Ziel für heute, den kleinen Ort Panora. Dort gab es einen Campingplatz, diesmal nicht an einem See sondern an einem Fluss, leider aber keine Dusche. Zumindest konnte ich aber meine zwei Akkus laden und eine richtige Toilette mit fließendem Wasser war auch vorhanden. Da ich mal wieder vernünftig Essen wollte, gönnte ich mir einen Besuch im Restaurant. Neben Sandwiches und Burger war zwar nicht viel auf der Speisekarte, es schmeckte aber trotzdem.

Während meiner Abwesenheit hat sich doch tatsächlich irgendein Tier (bestimmt ein Waschbär) meine letzten Scheiben Brot aus meinen Vorräten gekrallt. Da hört der Spaß auf! Wenigstens konnte ich aus meinem Zelt wieder die tausenden Glühwürmchen sehen.

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