Etappe 28 – Über die Grenze geschubst

Etappe 28 – Über die Grenze geschubst

Nicht ganz so früh startete ich heute in den Tag (das WLAN war schuld), obwohl das gut gewesen wäre, um der Hitze ein bisschen voraus zu sein. Ich hatte mir aber auch vorgenommen heute eine Art Ruheetappe einzulegen und nur etwa 80 km zu fahren.

Aus irgendeinem Grund spielte mein Handy GPS und damit auch meine Navigation verrückt. Da ich heute durch Omaha fuhr und die Stadt zur Abwechslung ziemlich groß war, nervte das ziemlich. Irgendwie habe ich meinen Weg in die Stadt aber gefunden und meinen ersten Halt im mexikanischen Viertel von Omaha gemacht, wo ich mir etwas zu essen besorgen wollte.

Dort habe ich mich zu einem echten Schnäppchenpreis mit Bagels und Donuts eingedeckt. Im benachbarten Supermarkt kaufte ich mir noch ein paar Maiskolben und eine Flasche mexikanische Limo. Die beste Motivation ist immer noch ein leckeres Abendessen.

“Supermarkt Unsere Familie” Man merkt wirklich, dass hier fast nur Mexikaner leben.

Omaha selbst ist, soweit ich das beurteilen kann, keine besonders aufregende Stadt. Es gab ein paar etwas größere Gebäude und natürlich den Missouri River zu sehen.

Ein paar Hochhäuser tauchen auf.
Der Missouri River.

Mit der Überquerung des Flusses überschritt ich gleichzeitig auch die Grenze zwischen Nebraska und Iowa. Für Fußgänger hat man extra eine zusätzliche Brücke über den Fluss gebraut. Sie steht sich aber gerne nochmal selbst vor:

“Hi, ich bin Bob. Ich bin eine Brücke.” Omaha zeigt mit diesem Schild ein bisschen Humor. Ich habe mir keinen Aufkleber geholt und bin jetzt wohl uncool.
Das ist Bob nochmal in seiner vollen Pracht.

Da ich bis jetzt bei jeder Grenzüberquerung ein Foto mit meinem Fahrrad gemacht habe, wollte ich auch auf der Brücke ein Bild schießen. Ich rollte mein Fahrrad also auf die Grenzlinie und blockierte kurz etwa die Hälfte der Brücke. Ich entschuldigte mich schon von weitem bei einem Mann, der mir entgegenkam, da ich seinen Weg leicht blockierte. Statt einfach mit einem Schritt nach rechts auszuweichen, lief er geradewegs auf mein Fahrrad zu und knallte es, samt meiner kompletten Ausrüstung und mit einem heftigen Ruck, auf den Boden.

Das Foto habe ich nach dem Schubser natürlich trotzdem gemacht.

Ich war erstmal zu geschockt um etwas zu sagen. Der Mann ging wortlos weiter. Nachdem ich mein Fahrrad aufgehoben hatte, fragten mich einige Passanten ob alles in Ordnung sei und wunderten sich mit mir über das Verhalten mancher Menschen.
Das war nach 28 Tagen auf dem Fahrrad die erste negative Erfahrung, die ich mit jemandem hatte. Ich lasse mir von sowas also nicht meine Laune verderben. 99,9% der Menschen die ich bis jetzt getroffen habe, waren ja schließlich nett zu mir!

Iowa beglückte mich, nach meinem Schubser über die Grenze, aber leider mit einem für Fahrradfahrer katastrophalen Straßenabschnitt. Die zweispurige Zubringerstraße hatte absolut keinen Seitenstreifen, ging steil bergauf und war unfassbar stark befahren. Ich bin ja stark befahrene Straßen mittlerweile gewöhnt, aber dieser Abschnitt grenzte schon an lebensgefährlich. Ich gab also richtig Gas, um so schnell wie möglich weiterzukommen. Die Hitze gab mir echt den Rest.

Irgendwie ist mir diese Kirche in Iowa aufgefallen. Bisher waren Kirchen eher unspektakulär.

Nach einigen Kilometern kam ich an die ersehnte Kreuzung und fand dort auch eine Tankstelle, an der ich Pause machte. Ich kann echt gar nicht beschreiben wie es sich anfühlte den klimatisierten Raum der Tankstelle zu betreten. So muss sich Sibirien im Winter anfühlen. Viel hätte nicht gefehlt und der Schweiß wäre an meinem Körper gefroren. Trotzdem holte ich mir ein Eis, damit die Abkühlung auch so lange wie möglich anhält.

Weit war es bis zum nächsten Campingplatz nicht mehr, aber die Sonne brannte erbarmungslos weiter. Die Straße auf dem letzten Teilstück war zum Glück wenig befahren und in einem guten Zustand. Für ein paar Kilometer gab es sogar einen Fahrradweg neben der Straße. Eine Frage stellt sich mir aber. Warum gibt es an einer viel befahrenen und gefährlichen Straße keinen Fahrradweg, dafür aber an einer Nebenstraße? Der Weg endete zudem nach etwa fünf Kilometern einfach mitten im Nirgendwo. Seltsam!

“Trail ends”. Ab hier ging es wieder auf der Straße weiter.

Der Campingplatz für diese Nacht befand sich in einem State Park und die beiden Parkwächter ließen mich sogar kostenlos übernachten. Das Besondere an diesem Campingplatz war, dass man sein Zelt einfach irgendwo auf der Wiese aufbauen durfte und nicht an feste Parzellen gebunden war. Ich suchte mir einen netten Platz direkt am See und war gerade dabei mein zusammengewürfeltes Abendessen auszupacken, als ein Junge auf mich zu kam und mich fragte ob ich mit ihm Angeln gehen wollte.

Das war echt ein traumhafter Platz zum campen.

Ich sah keinen Grund nein zu sagen und wir fuhren zusammen mit seinem Tretboot auf den See hinaus. Er erzählte mir einiges über sich und das Angeln. Natürlich war er auch an meinem Fahrradtrip interessiert. Irgendwie hat er aber nicht ganz verstanden, dass ich aus ‘Germany’ komme.

Das ist mir schon ein paar Mal passiert. Einige Leute, denen ich unterwegs begegnet war, dachten ich komme aus England, da ich relativ gut Englisch spreche, aber keinen amerikanischen Dialekt habe. Wenn ich dann sagte, dass ich aus Deutschland komme, erntete ich nur verwirrte Blicke. ‘Spricht man in Deutschland denn kein Deutsch?’, bekam ich dann manchmal zu hören. Der Ursprung dieser Verwirrung liegt wahrscheinlich darin, dass man hier in der Schule erst sehr spät anfängt eine zweite Fremdsprache zu lernen und die meisten Menschen deshalb ausschließlich Englisch sprechen.  

Gefangen haben wir auf unserem kleinen Angelausflug (zum Glück) nichts. Es ist also kein Fisch auf dem Grill gelandet und ich habe mich wieder meinen Abendessen zugewendet. Das musste ich glücklicher Weise nicht mehr fangen und auch anschließend nicht erlegen.

Die mexikanische “Krug” Limonade.

Da kein Regen angesagt war, habe ich die äußere Hülle von meinem Zelt weggelassen, um die Hitze aus dem Zelt zu bekommen. Doch selbst um 11 Uhr nachts und nach einer kühlen Dusche, war es immer noch unglaublich heiß. Wenigstens konnte ich von meinem ‘Bett’ den Sternenhimmel sehen. Auch die Glühwürmchen waren wieder da. Optisch hatte diese Nacht also einiges zu bieten.

Mit offenem Zelt hatte ich einen guten Blick.

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